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Ratgeber

Springspinnen Häutung: Was in dieser Phase wichtig ist

Lesezeit: 5 Minuten

Um zu wachsen, muss sich jede Springspinne regelmäßig aus ihrem alten Außenskelett befreien. Die Häutung ist die kritischste Phase in der Haltung – und gleichzeitig die, in der du am wenigsten tun sollst. Hier erfährst du, woran du eine bevorstehende Häutung erkennst, wie du dich in dieser Zeit verhältst, was nach der Häutung ansteht und was du tun kannst, wenn etwas nicht glatt läuft.

Springspinnen Häutung: Was in dieser Phase wichtig ist

Was bei der Häutung passiert

Eine Springspinne wächst nicht gleichmäßig. Ihr Außenskelett ist starr, deshalb kann sie nur in Stufen größer werden, und jede dieser Stufen ist eine Häutung.

Zur Vorbereitung spinnt Phidippus regius ein dichtes, meist weißliches Nest, häufig in einer oberen Ecke des Terrariums oder unter einem Blatt. Dort zieht sie sich zurück und stellt die Nahrungsaufnahme vollständig ein. Im Nest löst sich die alte Hülle nach und nach vom Körper, danach arbeitet sich das Tier langsam heraus.

Der eigentliche Vorgang dauert oft mehrere Stunden. Bis die Spinne wieder herauskommt, können mehrere Tage vergehen. Von außen bekommst du davon meist nichts mit, und genau so soll es sein.

Wie oft häutet sich eine Springspinne?

Die Größe wird in Fresshäutungen angegeben, kurz FH. FH1 entspricht etwa 2 bis 3 Millimetern, FH6 etwa 9 bis 12 Millimetern. Zwischen dem winzigen Jungtier und dem ausgewachsenen Tier liegen also mehrere Häutungen.

Junge Tiere häuten sich am häufigsten, und die Abstände werden mit jeder Stufe länger. In den frühen Stadien liegen oft nur wenige Wochen dazwischen, später deutlich mehr.

Ab FH5 lässt sich das Geschlecht erkennen. Männchen bleiben zierlicher, sind kontrastreich schwarz-weiß gezeichnet und wirken rastlos. Weibchen werden kräftiger und ruhiger. Weibchen erreichen ein Alter von zwei bis drei Jahren.

Anzeichen einer bevorstehenden Häutung

Das erste Signal ist fast immer der Appetit. Die Spinne lehnt Futter ab, obwohl sie vorher gut gefressen hat. Kurz darauf wird sie deutlich ruhiger und verlässt ihren Rückzugsort kaum noch.

Dann kommt das Nest. Es ist dichter und geschlossener als der übliche Schlafsack und sitzt meist an einer geschützten Stelle weit oben. Ist es rundum zugesponnen, steht die Häutung unmittelbar bevor.

Bei genauem Hinsehen wirkt die Färbung kurz vorher matter und stumpfer, weil sich die alte Hülle bereits vom Körper löst. Bei manchen Tieren sieht der Hinterleib zusätzlich etwas praller aus.

Nahrungsverweigerung allein ist allerdings noch kein Beweis. Auch ein schlicht sattes Tier oder ein zu kühl stehendes Terrarium kann dahinterstecken.

Das Beste, was du jetzt tun kannst: nichts

Die wichtigste Regel während der Häutung lautet: nicht stören. Die Spinne ist in dieser Phase völlig wehrlos, ihr neues Außenskelett ist weich.

Konkret heißt das: Terrarium geschlossen lassen, kein Futter anbieten, nicht auf das Nest sprühen, Erschütterungen und Standortwechsel vermeiden. Auch das Herausnehmen zum Anschauen fällt für die nächsten Tage aus.

War kurz vorher noch ein Futtertier im Terrarium, nimm es heraus. Heimchen und Schaben können eine sich häutende Spinne ernsthaft verletzen. Das ist der einzige Eingriff, der in dieser Zeit sinnvoll ist.

Hab Geduld. Mehrere Tage ohne Lebenszeichen sind normal und kein Grund, das Nest zu öffnen.

Die Luftfeuchtigkeit bleibt normal

Ein verbreiteter Irrtum ist, man müsse die Häutung mit besonders viel Feuchtigkeit unterstützen. Das Gegenteil stimmt: Sprühe wie immer einmal täglich fein an Scheiben und Einrichtung und lass das Nest dabei aus.

Ein durchnässtes Nest ist für das Tier ein Problem und keine Hilfe. Dauerhaft zu nasses Substrat bei schlechter Belüftung führt außerdem zu Schimmel.

Was wirklich hilft, ist ein über Wochen stabiles Klima: Zimmertemperatur zwischen 20 und 26 Grad, ein Hygrometer zur Kontrolle, keine Heizmatte und keine Lampe. Häutungsprobleme entstehen fast immer aus dauerhaft zu trockener Haltung, nicht aus einem einzelnen Tag.

Nach der Häutung: die ersten Tage

Nach der Häutung ist das neue Außenskelett noch weich und muss aushärten. Die Spinne bleibt deshalb meist noch ein bis zwei Tage im Nest, bevor sie wieder herauskommt.

Warte mit der ersten Fütterung zwei bis drei Tage. Danach ist der Appetit meist groß. Beginne trotzdem mit einem eher kleinen Futtertier, höchstens halb so groß wie die Spinne.

Frisch gehäutete Tiere sehen oft auffallend farbig aus. Zeichnung und Behaarung wirken besonders kräftig, weil die Härchen noch unbeschädigt sind.

Die alte Hülle bleibt im Nest zurück. Du kannst sie entfernen, wenn sie dich stört, musst es aber nicht.

Wenn die Häutung nicht glatt verläuft

Manchmal bleiben Reste der alten Hülle an einem Bein hängen. Greif in so einem Fall auf keinen Fall mit Werkzeug oder Fingern ein. Der Schaden ist dabei fast immer größer als das ursprüngliche Problem.

Halte stattdessen das Klima im gewohnten Rahmen stabil und gib dem Tier Zeit. Sehr oft löst sich der Rest bei der nächsten Häutung von selbst.

Fehlt danach ein Bein, ist das bei Jungtieren kein Drama. Ein verlorenes Bein wächst über die nächsten Häutungen wieder nach, zunächst etwas kürzer, dann Schritt für Schritt vollständig.

Vorbeugen ist einfacher als reparieren. Eine dauerhaft passende Luftfeuchtigkeit, keine Futtertiere im Terrarium während der Häutung und ein ruhiger Standort verhindern die meisten Probleme.

Warum Springspinnen einzeln gehalten werden

Springspinnen werden immer einzeln gehalten, und die Häutung zeigt besonders deutlich, warum. Ein wehrloses Tier im Häutungsnest wäre für einen Artgenossen im selben Behälter schlicht Beute.

Auch außerhalb der Häutung endet eine gemeinsame Haltung regelmäßig damit, dass nur noch ein Tier übrig ist. Jede Spinne bekommt deshalb ihr eigenes Terrarium.

Das Terrarium richtig vorbereiten

Ob eine Häutung gelingt, entscheidet sich oft lange vorher. Wichtig ist Höhe statt Fläche: Rund 20 Zentimeter Höhe genügen, damit die Spinne ihr Nest weit oben anlegen kann, wo sie sich sicher fühlt.

Acryl ist dabei die bessere Wahl als Glas, weil es leichter ist und beim Umstellen nicht so schnell zu Bruch geht. Ein sicherer Verschluss und eine feine Belüftung gehören dazu.

Als Einrichtung reichen eine Mopani-Wurzel oder ein Kletterholz, etwas Naturmoos und ein passendes Substrat. Je mehr sichere Anheftungspunkte es weit oben gibt, desto eher findet das Tier einen guten Platz für sein Nest.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Häutung?

Der eigentliche Vorgang dauert Stunden. Die gesamte Phase aus Rückzug, Häutung und Aushärten zieht sich meist über mehrere Tage. Bei größeren Tieren ist auch eine Woche ohne Lebenszeichen nicht ungewöhnlich.

Meine Spinne frisst seit Tagen nicht, ist sie krank?

Meistens nicht. Nahrungsverweigerung zusammen mit Rückzug ins Nest ist das typische Bild vor einer Häutung. Schau nach, ob das Nest dicht zugesponnen ist, und warte ab.

Soll ich das Nest öffnen, um nachzusehen?

Nein. Ein geöffnetes Häutungsnest kostet die Spinne im schlimmsten Fall das Leben. Warte, bis sie von selbst herauskommt.

Darf ich während der Häutung sprühen?

Sprühe wie gewohnt einmal täglich fein an die Scheiben, aber nicht auf das Nest und nie direkt auf das Tier.

Das richtige Klima im Terrarium

Feinsprühflasche, Hygrometer und passendes Substrat helfen dir, die Luftfeuchtigkeit dauerhaft stabil zu halten.

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